Kulinarische Kettenbriefe

Glückskuchen

Kettenbriefe sind aus der Mode gekommen, also zumindest die aus Papier. Die elektronische Variante im Stil von “Schicke diese E-Mail an mindestens 10 andere Personen oder dir wachsen grüne Pickel im Gesicht.” ist es leider noch nicht. Aber da alle Welt mittlerweile unter Spam und Phishing leidet und sich kaum noch jemand über wirklich jede E-Mail freut, die ins Postfach trudelt, hat sich das vielleicht auch bald erledigt. Anders und subtiler sind die kulinarischen, essbaren Kettenbriefe: Hermann-Teig, Vatikan-Brot oder eben Glückskuchen.

Zur Erläuterung für die, die diese wunderschöne Tradition noch nicht kennen: Es geht um einen Teig, der über mehrere Tage gerührt, mit weiteren Zutaten vermehrt und schließlich in vier gleiche Teile geteilt werden muss. Von den vier Teilen backt man selbst einen und die anderen drei gibt man an liebe Freunde/Verwandte/Kollegen/Nachbarn weiter, zusammen mit der genauen Anleitung und dem Hinweis, dass dieser Kuchen dem Beschenkten Glück und Wohlstand bringen wird und vielleicht bald so mancher im Geheimen gehegte Wunsch in Erfüllung gehen wird.

So ein essbarer Freundschaftsbeweis hat dieser Tage nun also auch unsere Küche “heimgesucht”. Ignorieren kann man so eine nette Geste schlecht, weil der Freund und Überbringer schließlich einen Beweis in Form einer Kostprobe haben möchte und man bei jedem zukünftigen Treffen immer wieder an das Rezept erinnert wird. Das Problem ist, mir persönlich sind Lebensmittel suspekt, deren genaue Herkunft man so schwer bestimmen kann, wie in diesem Fall. Zur Ehrenrettung unseres Glückskuchens muss ich dann aber zugeben, dass es nach 6 Tagen rühren, teilen und schließlich backen, doch ganz lecker geschmeckt hat. Und wenn es wirklich Glück bringt, kann mir das nur Recht sein. Die Prüfungszeit ist zwar schon vorbei, aber vielleicht sollte ich in dieser Woche mal wieder Lotto spielen.

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